Vernetztes Handeln im Aktiven Alter

Meindorf nutzung

Bildquelle: Initiative 55 plus minus, Bornich.

Am demografischen Wandel in ländlichen Raum lassen sich die Herausforderungen schnell erkennen: Die Infrastruktur auf den Dörfern wird weniger und die Bevölkerungszahl geht zurück. Gleichzeitig verspüren die Seniorinnen und Senioren in den kleinen Dörfern den Wunsch, möglichst bis zum Lebensende in ihrem Dorf bleiben zu können.

Neue Medien können in solchen Situationen eine wichtige Rolle übernehmen: Sie schaffen ein Bewusstsein über die Potentiale in den Dörfern und helfen den Menschen vor Ort, neue Beziehungen aufzuabuen. Denn oft ist es vor allem die Unkenntnis über vorhandene Wünsche und Fähigkeiten, die Menschen in den Dörfern davon abhält, sich gegenseitig zu unterstützen oder etwas Gemeinsames zu unternehmen.

Die PATONGO-Lösungen, die in unserer Software meinDorf55+ zum Einsatz kommen, schaffen ausgehend von der sozialen Wahrnehmung virtuelle Orte, an denen Menschen aus den Dörfern zusammenkommen können. So gibt es den virtuellen Dorfplatz, auf dem Neuigkeiten ausgetauscht werden können ebenso wie die virtuelle Litfaßsäule, wo lokale Kleinanzeigen aufgegeben und Anfragen mit passenden Angeboten verbunden werden. Semantische Technologien, wie sie bereits bei PATONGO Storm zum Einsatz kamen, sorgen dafür, dass Hilfe suchende Seniorinnen und Senioren schnell Menschen finden, die helfend tätig werden können. Am Ende steht dann unter Umständen ein auf Dauer angelegtes Projekt, in dem regelmäßige Kontakte vor Ort Wirklichkeit werden.

Meindorf55plus dorfplatz

Bildquelle: Initiative 55 plus minus, Bornich.

Projektbeispiel: meinDorf55+

Vernetzung von Seniorinnen und Senioren im Evangelischen Dekanat Nassauer Land

Das Leben älterer Menschen in den kleinen Dörfern des Rhein-Lahn-Kreises steht im Fokus des aus Mitteln der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Diakonie Hessen geförderten Pilotprojektes "meinDorf55+ - trotz Alter bleibe ich!". Die gemeinsame Vision der beteiligten Projektpartner ist es, dass Seniorinnen und Senioren in den Dörfern wieder neue soziale Netze aufbauen, in denen sie sich gegenseitig wahrnehmen, unterstützen und zu Aktivitäten anspornen.

Die PATONGO UG (haftungsbeschränkt) und die FernUniversität in Hagen unterstützen in dem Projekt die Initiative 55 plus minus des Evangelischen Dekanats Nassauer Land, die vor Ort die sozialen Komponenten des Aufbaus der sozialen Netzwerke koordiniert. Entstanden ist die meinDorf55+-App, in der die Seniorinnen und Senioren ihr soziales Umfeld beschreiben, Gefühle, sorgen und Hilfeanfragen teilen, Hilfe koordinieren und gemeinsame Projekte ins Leben rufen können.

Neben dem öffentlichen Austausch bei der Planung und Durchführung von Projekten steht der vertrauensvolle Umgang in privaten kleinen Kreisen im Mittelpunkt des Interesses der App. Die vertraute Nachbarin kann ebenso in diesem Kreis auftauchen wie der Pfarrer oder die Schwägerin. Im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken ist dabei nicht die Größe der „Freundesliste“ ausschlaggebend sondern es geht um verlässliche Kontakte, bei denen eine Person für eine andere Verantwortung übernimmt. Konzepte aus der Soziologie, die in die App eingeflossen sind, helfen den Seniorinnen und Senioren dabei, ihre soziale Situation neu zu deuten und tragfähige Beziehungen aufzubauen.

In einem partizipativen Prozess wurden die Interaktionsszenarien der Community von uns gemeinsam mit den Seniorinnen udn Senioren gestaltet. Uns war es wichtig, das Lebensgefühl der Menschen in den Dörfern einzufangen und mit der App eine optimale Unterstützung für ein Miteinander auf dem Dorf zu liefern.

Seit September 2016 befindet sich die App im internen Testbetrieb. Erste Nutzerinnen und Nutzer haben sich bereits ihren persönlichen Kreis der Fürsorge aufgebaut und sind auch selbst für Andere als Fürsorgende tätig. Der Sprecher der Initiative 55 plus minus, Dieter Zorbach, der den Einsatz vor Ort koordiniert, blickt wie immer, wenn es um Projekte der Initiative geht, optimistisch in die Zukunft: „Wir hoffen, dass die Testphase bald abgeschlossen sein wird und wir dann die Pforten zu meinDorf55+ für weitere Seniorinnen und Senioren der Region öffnen können.

Ermutigt werden Zorbach und die anderen Mitwirkenden an meinDorf55+ von Propst Oliver Albrecht, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Ihm liegen neue Wege für die Gemeindeentwicklung besonders am Herzen. „Nächstenliebe und Engagement“ gehören für Albrecht selbstverständlich zur Kirche. Projekte wie meinDorf55+ können beispielhaft zeigen, wie ein neues Miteinander in den Dörfern zu einer tragfähigen Gemeinschaft führen kann.

Gerne passen wir meinDorf55+ auch an die Wünsche und Begürfnisse anderer Regionen an. Sprechen Sie uns an.

Weitere externe Hintergrundinformationen

Auf der Homepage des Projekts meinDorf55plus.de findet sich eine umfassende Sammlung mit weiteren Informationen zum Projekt. Hier sind auch einige Radiobeiträge des SWR und des Deutschlandfunks zu finden, die über die Arbeiten an der App berichtet haben.